ZEITBILDER
Fr. 16-18 Uhr | Sa. und So. 14-17 Uhr
Peter Tuma (*1938 im Landkreis Helmstedt) zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern Norddeutschlands und blickt auf eine 60 Jahre umspannende Karriere als Maler und Zeichner zurück. Seine Teilnahme an der documenta 6 (1977) sowie zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland (u. a. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Schweiz, Japan) zeugen von einer internationalen Laufbahn, die ihm viele Preise und Auszeichnungen beschert haben.
In seinen großformatigen Gemälden greift Peter Tuma erstmalig auf gefundene Medienbilder zurück – etwa aus TV-Reportagen, Überwachungs-, Kontroll- oder Spionagekameras oder anderen technisch erzeugten, gestörten oder verpixelten Quellen. Aus diesen Vorlagen extrahiert er einige Motive, vergrößert sie und kombiniert Bildmotive scheinbar zufällig miteinander. Durch diese Vorgehensweise entstehen Werke, die ein Gefühl von Irritation und Unwirklichkeit erzeugen.
Dieses Unbehagen ist jedoch kein Selbstzweck – es spiegelt vielmehr die tiefgreifenden gesellschaftlichen und politischen Veränderungen unserer Zeit wider. Tumas Bilder verweisen auf die Allgegenwart moderner Überwachungssysteme, auf die mediale Omnipräsenz von Krisen, Katastrophen und Kontrollverlust, aber auch auf Phänomene wie den Klimawandel oder die rasante Entwicklung Künstlicher Intelligenz.
Gerade die technischen Störungen, Unschärfen oder Bildbrüche, die aus der digitalen Produktion und Übermittlung resultieren, faszinieren den Künstler. Sie stehen für die Fragmentierung unserer medialen Wirklichkeit, für das Unfertige, das zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit oszilliert. Mit feinem sensorischem Gespür und einer Spur Ironie reagiert Tuma auf diese Bildwelten. Er transformiert sie mit klassischen malerischen Mitteln in vielschichtige Kompositionen, die formal ebenso kraftvoll wie inhaltlich präzise sind. Seine Werke verdichten sich dabei zu ikonischen Surrogaten unserer Gegenwart – als Reflexion und Kommentar auf eine visuell überreizte, technologisch überformte Welt.
Die Ausstellung wird kuratiert von Stefan Fahrnländer
1958–1962 Studium in Braunschweig und Lubljana/Slowenien bei Prof. Peter Voigt und Prof. Gabriel Stupica
1962 Rudolf-Wilke-Preis der Stadt Braunschweig
1966–1967 Rompreis »Villa Massimo«
1971 3. Preis für Grafik »Junges Forum«, Kunsthalle Bremen
1974–1975 Parispreis »Cité des Arts«
1977 Teilnahme documenta 6, Kassel
1982 Professur für künstlerische Grundlagen an der FH Hannover, Fachbereich Kunst und Design
1985 Studienaufenthalt in der Casa Baldi, Olevano Romano/talien
1985 Mitglied der Kunstkommission des MWK, Landesregierung Hannover
1988 Jurypreis der 3. Internationalen Biennale, Kairo/ Ägypten
1997 Übernahme einer Klasse für Malerei an der FH Hannover, FB Bildende Kunst
2003 Beendigung der Lehrtätigkeit
2023 Kunstpreis der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, Sprengel Museum Hannover
Diverse Ausstellungsbeteiligungen in Deutschland, Frankreich, Japan und anderen Ländern, unter anderem: Sprengel Museum , Hannover, NYCity Museum of Contemporary Art, Kunstverein Hannover, Hiroshima, Japan, Städtische Kunsthalle Recklinghausen, Foundation Nationale des Arts, Paris, documenta 6 Kassel, Kunsthalle Baden-Baden, Kunsthalle Berlin, Palazzo Strozzi, Florenz, Italien, Pratt-Graphic Center, New York sowie Grafikbiennalen in New York, Schweiz, Belgien und Vereinigtes Königreich.
Als Mitglied des Deutschen Künstlerbundes nahm Peter Tuma zwischen 1969 und 1992 an acht großen DKB-Jahresausstellungen teil.
Kunstkammer | Hahnenberger Straße 35-37, 29471 Gartow
Öffnungszeiten: Fr 16-18 Uhr | Sa und So 14-17 Uhr
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog
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