MURIEL ZOE und ULRICH BITTMANN:

STITCH AND WARP

Vernissage: Samstag, 09. Mai, 19 Uhr
Ort: Zehntspeicher
Es spricht: Augustin Noffke | Musik: Michael Leuschner (Trompete) & Paul Imm (Kontrabass) | Kuratiert von Renke Maspfuhl

Ausstellung: vom 10. Mai bis zum 21. Juni

Freitag 16 bis 18 Uhr Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr

Sonderöffnungszeit am Himmelsfahrts- und Pfingstwochenenden von 11 bis 18 Uhr

In einer Duo-Ausstellung zeigen die beiden norddeutschen Künstler:innen Muriel Zoe Borchert (*1969) und Ulrich Bittmann (*1950) malerische Arbeiten, die sich zwischen Abstraktion und Figuration bewegen und deren Grenzen und Übergänge erkunden. Muriel Zoe Borchert baut ihre Malerei in einem vielschichtigen Verfahren auf, indem das jeweilige Motiv überlagert, verwischt, transformiert und zunehmend abstrahiert wird. Figuren greifen ins Leere, deuten auf Unsichtbares oder scheinen in rätselhafte Handlungen verwickelt zu sein. Ungewöhnliche Perspektiven eröffnet auch Ulrich Bittmann in seiner Malerei. Im Zusammenspiel von malerischen Texturen und Farben, Verzerrung und Verfremdung von Blickwinkeln und Figuren erschafft er ganz eigene, mehrschichtige Bildwel­ten voller Geschichten.

Muriel Zoe – Foto Heike Blenk
Muriel Zoe – Foto Heike Blenk

Muriel Zoe

Die künstlerische Arbeit der Hamburger Malerin, Druckgrafikerin und Musikerin Muriel Zoe kreist um die feinen Brüche und geheimnisvollen Dimensionen des Alltäglichen. Ausgangspunkte ihrer Bilder sind oft beiläufige Gesten und unscheinbare Situationen, die sie in Skizzen festhält oder anhand von alten Fotografien, Zeitungsausschnitten oder Screenshots sammelt. Aus diesem wachsenden Fundus von Fragmenten entsteht eine Bildwelt, in der sich scheinbar Nebensächliches verdichtet und transformiert.

Muriel Zoes Malerei ist ein Prozess des Suchens und Wiederfindens: kontrollierte Setzungen und zufällige Überlagerungen liegen dicht nebeneinander. Sie arbeitet mit stark verdünnter Acryl- und Ölfarbe, inspiriert von den flüssigen Eigenschaften der Lithografie-Tusche, die sie über Jahre in ihrer Druckgrafik eingesetzt hat. Diese Technik erzeugt Transparenz und Schichtungen, durch die sich verborgene Strukturen wie durch einen Farbdunst abzeichnen. In diesem mehrschichtigen Verfahren werden Motive verwischt, übermalt, zerstört und neu aufgebaut. Ihre Malerei lädt dazu ein, im Alltäglichen die Tiefe, im Nebensächlichen das Rätselhafte und im Momenthaften die Dauer aufzuspüren.

ROOFTOP, 2025
Selbstportrait Ulrich Bittmann
Selbstportrait Ulrich Bittmann

Ulrich Bittmann

Im Zentrum von Ulrich Bittmanns künstlerischer Arbeit steht das Erzählen – doch nicht im Sinne einer illustrativen Wiedergabe von Handlungen. Seine Geschichten entstehen im Malprozess selbst. Sie werden formuliert durch Farben, Linien und Figuren, durch Überlagerungen und Verdichtungen, durch Spuren, die sich in der Materialität der Leinwand einschreiben. Die Malerei wird bei Bittmann zum offenen Spielfeld. Farbe wird aufgetragen und wieder abgetragen, Formen entstehen intuitiv und werden zugleich durch die Gesetze der Malerei geleitet. Dieses fortwährende Suchen nach Strukturen führt zu einer hybriden Bildwelt zwischen Figuration und Abstraktion. Mal tauchen Figuren auf – als Körper, fragmentiert oder in ganzer Gestalt – mal verschmelzen sie mit organischen, abstrakteren Formen. Immer bleibt jedoch eine körperliche Essenz spürbar: ein Unterton, der spricht, manchmal humorvoll, manchmal grollend. Dieser Prozess gleicht einer archäologischen Arbeit am Bild. Konstruktion und Dekonstruktion wechseln einander ab, erzeugen Spannungen, Brüche und unerwartete Harmonien. Dabei gibt das Material selbst Signale, denen der Maler folgt, bis eine Form gefunden ist, die Bestand hat.

Like a Horse 2024 110x90cm Öl,Tinte auf Leinwand
Like a Horse 2024 110x90cm Öl,Tinte auf Leinwand

Stitch and Warp

sind Bildtitel früherer Arbeiten von Ulrich Bittmann und Muriel Zoe. Stitch steht als Textil-Metapher für das Nähen und Verbinden von Schichten. Im künstlerischen Kontext ist Stitch das Übermalen, das Zusammenfügen von Bildinhalten zu einem neuen Gefüge mit mehrdeutiger Aussage. Warp ist im Webvorgang das gespannte Fadengerüst, die Kette, die das Gewebe zusammenhält. Zugleich bedeutet Warp Verziehen und Verzerren und beschreibt damit einen wichtigen künstlerischen Aspekt: den Bruch des sicheren Rasters und die Öffnung für neue Bedeutungsebenen. Stitch and Warp verbinden sich sowohl im stofflich-materiellen Aspekt als auch in der Prozessualität der Malerei. Sie ergänzen sich und reiben sich zugleich in ihrer Widersprüchlichkeit von Verbinden und Verändern, von Verweben und Umdeuten. Und sie stehen stellvertretend für zwei künstlerische Positionen, die sich intensiv mit den untergründigen Strukturen der Malerei beschäftigen, sowohl mit dem Aufbau und der Zusammensetzung des gemalten Bildes als auch mit seinem Umbau, seiner Überarbeitung, Überschreibung und Verwandlung.

Muriel Zoe

1969    geboren in Ludwigshafen, aufgewachsen in Norddeutschland und Südindien

1990–96    Studium der Illustration, Malerei und Druckgrafik an der HAW Hamburg, Abschluss mit Diplom


Seit 1996    Ausstellungstätigkeit mit Malerei und Druckgrafik Lehrtätigkeit im Bereich Malerei und Druckgrafik, u.a. am Museum der Arbeit und an der HAW Hamburg


1990    Kontaktstudiengang für Popularmusik, Musikhochschule Hamburg


2002–2012    Veröffentlichung von vier Soloalben mit Jazzstandards und Eigenkompositionen


Muriel Zoe lebt und arbeitet in Hamburg. Ihre Arbeiten sind in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen im norddeutschen Raum gezeigt worden. Vertreten wird sie durch die Hamburger Galerie Holthoff.

Ullrich Bittmann

1950    geboren in Köln


1976–2015    ärztliche Tätigkeit


Seit 1995     intensive Auseinandersetzung mit künstlerischen Positionen in Zeichnung und Malerei, Malschule Blankenese, Bildkunstakademie Hamburg


Seit 1998     Meisterklasse bei Dozent Jens Hasenberg


Seit 2019     Vertretung durch Galerie Holthoff, Hamburg


Seit 2021     Mitglied im BBK Mecklenburg Vorpommern


Seit 2023    Mitglied im BBK Schleswig Holstein


Ulrich Bittmanns Arbeiten wurden in Einzelausstellungen (Schwerin, Galerie Holthoff Hamburg) und Gruppenausstellungen in Norddeutschland gezeigt. Eine Monographie (thrawn) ist 2025 erschienen.

Zehntspeicher

Quarnstedt, 29471 Gartow

Öffnungszeiten: Freitag 16–18 UhrSamstag / Sonntag 14–17 Uhr

Sonderöffnungszeiten Himmelfahrt und Pfingsten täglich 11–18 Uhr

Führung

am Sonntag, 17.05.2026, um 16 Uhr mit der Künstlerin Sibylle Hauswaldt (Kulturverein Gartow)

Für die Führung wird um Anmeldung unter sibylle@hauswaldt-malerei.de gebeten.

 

Gefördert durch: