Der Künstler Xianwei Zhu steht in einem Innenhof vor einer großflächigen, am Boden ausgebreiteten Leinwand mit abstrakten Malspuren. Er trägt Hut, Schal und farbbespritzte Kleidung
Xianwei Zhu:

All the world is green

Vernissage: Freitag, 05. September, 20 Uhr
Kunstkammer
Es spricht: Iha von der Schulenburg
Ausstellung: vom 06. September bis 12. Oktober
Freitag: 16.00 Uhr bis 18.00 Uhr Samstag & Sonntag: 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr

Der 1971 in China geborene Maler Xianwei Zhu ist ein Wanderer – auch ein Transformierer – zwischen den Welten, zwischen Asien und Europa. Er studierte und unterrichtete zunächst traditionelle chinesische Kunst in Hangzhou, übersiedelte nach Deutschland, wo er an der Stuttgarter Kunstakademie das Studium der Freien Kunst absolvierte.

Wolkenpfad Nr. 1 von Xianwei-Zhu aus dem Jahre 2023
Wolkenpfad Nr.1 (Xianwei Zhu, 2023)
Blue Mountains von Xianwei Zhu, 2023
Blue Mountains (Xianwei Zhu, 2023)

Xianwei Zhu

Seine Bildkompositionen stehen in der Tradition der chinesischen Landschaftsmalerei, die sich bereits im 7. Jahrhundert zur Zeit der Tang-Dynastie entwickelte. Zhus großformatige Gemälde stellen zumeist Flusslandschaften, Seen und helle weite Flächen dar. Wind und Wasser symbolisieren die Lebenskraft, den „Lebensatem“, der aus den Höhen in Täler und Schluchten fließt.

Großen Einfluss auf die Malerei Xianwei Zhus hat seine Auseinandersetzung mit dem chinesischen Philosophen Laotse und den Gedichten des Zen-Meisters Hanshan. Ebenso die Lehren des Taoismus und des Buddhismus. Seit Jahren befasst sich Xianwei Zhu mit der deutschen Romantik, die in allen Künsten die Sehnsucht nach Weite, der Verbindung zum Mystischen, dem Unterbewusstsein und Geheimnisvollen ausdrückte. Insbesondere die Bilder Caspar David Friedrichs und die Gedichte Hölderlins sind hier prägende Vorbilder in der Thematik der inneren religiösen Beziehung des Menschen zur Natur.

Xianwei Zhu ist mit der chinesischen Tuschemalerei ebenso vertraut wie mit dem expressiven Kolorit europäischer Gegenwartsmalerei, die Weisheiten des Tao Te King kennt er genauso wie die Schriften des deutschen Denkers Martin Heidegger. Xianwei Zhus Malerei führt die beiden Traditionen zusammen, oft an der Grenze zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Seine Motive findet er auf unzähligen Wanderungen, die gleichermaßen eine spirituelle Suche sind.

In seinen Werken verbindet Xianwei Zhu sichtbare und geistige Natur. Neben darstellenden und abstrakten Elementen finden sich in seinen Bildern oft große nahezu farblose Flächen des Nichts. In dieser Verweigerung, etwas darzustellen, dieser malerischen Dematerialisation erweist Xianwei Zhu auch der Tradition der prämorden taoistischen Malerei Referenz: dem hohen Wert der Leere.

Es ist eine eigentümliche Melancholie in Xianwei Zhus Malerei: wie eine Sehnsucht als Ausdruck der Ortlosigkeit des modernen Menschen, der Verlorenheit in der zunehmend digitalisierten Gegenwart. Gleichzeitig zeigt er in dieser Sehnsucht die Hoffnung, dass der Mensch seinen Ort der Kraft finden kann: in der Schönheit und der Tiefe der Natur.

Webseite: www.xianwei-zhu.com

Instagram: www.instagram.com/dadazhu1971

Hoch, hoch erhaben über allen Gipfeln. Wohin ich blicke - grenzenlose Weite. Niemand weiß, dass ich hier sitze, Im kalten Bach spiegelt sich einsam der Mond. Doch in dem Bach, das ist nicht der Mond. Der Mond selbst steht am schwarzen Himmel. Ich singe dieses Lied für euch. Im Lied ist allerdings kein Zen. (Gedicht vom kalten Berg)

Xianwei Zhu ist ein Wanderer zwischen den Welten, zwischen Asien und Europa, Deutschland und China. In seiner Malerei führt Xianwei Zhu die beiden Traditionen zusammen, wobei er sich oft an der Grenze zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion aufhält. Aus bewegten malerischen Gesten öffnet der Künstler stilisierte Landschaftsräume, in denen er rätselhafte gegenständliche Details, Architekturen und vereinzelte menschliche Figuren auftauchen lässt. In gedeckten Klängen aus Blau, Weiß und Schwarz, entfalten seine Farbräume feine poetische Stimmungen. Es ist eine eigentümlich Melancholie in Xianwei Zhus Malerei, eine Sehnsucht erfüllt die Räume seiner Bilder. Sie ist Ausdruck der Ortlosigkeit des modernen Menschen, seiner Verlorenheit im Lärm der technisierten, digitalisierten Gegenwart. Gleichzeitig zeigt sich in dieser Sehnsucht die Hoffnung, dass der Mensch seinen Ort in der Kraft, in der Schönheit der Natur finden kann. Auch heute noch - wie vor Jahrhunderten.

Geboren 1971 in Qingdao, China

1989-1993 Studium der Kunsterziehung an der Hochschule Shandong, China

1993-1996 Studium der Malerei an der Kunstakademie Hangzhou, China, Diplom Malerei

1996-2000 Dozent an der Universität Qingdao, China

2001-2008 Studium der Freien Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Diplom Freie Malerei

2009 Lehrauftrag an der Merz Akademie Stuttgart

Seit 2016 Gastprofessor an der Kunstakademie Yunnan, China

Lebt als freier Künstler in Düsseldorf, Krefeld und Stuttgart

2024 Yun Shou, Caspar David Friedrich Zentrum, Greifswald

Museum Hölderlinhaus, Lauffen


2023 Beyond Landscape, Galerie Bechter Kastowsky, Schaan, Liechtenstein

the sun also rises, Galerie Kunst- Raum, Essen

out in the open, Galerie Tobias Schrade, Ulm


2022 Chinese Poets and Daoism, Migrant Bird Space, Berlin

Alles ist gut, Galerie Vayhinger, Singen

Great Sound, SV Atrium Galerie Wiesbaden


2021 In a landscape, Poly Art Museum, Beijing, China

in a landscape, Galerie Schlichtenmaier, Stuttgart

Alles ist gut, Galerie Vayhinger, Singen

all the world is green, Kunstverein Krefeld


2020 inner landscapes, Galerie Kunstraum Essen

Nah-fern, Kulturbahnhof Starnberg, München


2019 Zu den Quellen, Städtische Galerie, Wangen im Allgäu

Wolkenpfad, Galerie Kreissparkasse Esslingen- Nürtingen


2018 Rückkehr zu den Wurzeln, Galerie Schrade Schloss Mochental

Timeless, Nürtingen, Kreuzkirche


2017 all the world is green, Riverside Art Museum Beijing


2016 anderswo, Galerie Bechter Kastowsky, Wien

Galerie Lan Space, Beijing


2015 bewölkte Utopie, Galerie Vayhinger, Singen

Boot ohne Leine, Galerie Tobias Schrade, Ulm


2014 Echo of the void, Böblinger Kunstverein, Stuttgart

Kunst gegen Kunst, Offspace, Beijing

Figuration zwischen Traum und Wirklichkeit, Museum Angerlehner, Wels, Österreich


2013 Kaisers Wunderland, Städtische Galerie Ahaus, Villa Van Delde


2012 Alienation of Affections, Pyo Gallery, Los Angeles, USA

Landesjubiläum Baden-Württemberg

2018 Franz-Joseph-Spiegler-Preis, Schloss Mochental, Ehingen


2014 Hauptpreis des 28. Kunstpreises der Kreissparkasse Esslingen – Nürtingen

Staatsgalerie Stuttgart

Sammlung Museum Angerlehner, Wels, Österreich

Sammlung Wemhöner, Berlin

Regierungspräsidium Stuttgart

Sammlung Land Baden-Württemberg

Kunstmuseum Singen

Sammlung Sparkassen Versicherung

Kreissparkasse Esslingen Nürtingen

Sammlung Stadt Ahaus

Sammlung Stadt Singen und private Sammlungen

Die Kunstkammer ist die Galerie des Westwendischen Kunstvereins

Hahnenberger Str. 35 – 37 29471 Gartow

Öffnungszeiten Freitag 16 – 18 Uhr Samstag / Sonntag 14 – 17 Uhr

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